Erster Eindruck und Vergleich

Der Banana Pi ist erst seit wenigen Monaten auf dem Markt, aber schon in voller Munde. Viele fortgeschrittene User interessieren sich neben den technischen Spezifikationen für Antworten auf die Fragen:

  • Was ist mit dem Banana Pi alles möglich?
  • Inwiefern sind Shields, Gehäuse und weiteres Zubehör vom Raspberry Pi kompatibel?
  • Welche Betriebssysteme werden vom Banana Pi unterstützt?
  • Wie weit sind die Funktionalitäten (z.B. Unterstützung von wiringPi) ausgereift?

Grenzenlose Möglichkeiten

Der Banana Pi ist für jeden ein interessantes „Must-have“ der in die Welt der Elektronik eintauchen will. Ähnlich wie der Raspberry Pi wurde der Banana Pi von einer Bildungsinitiative entwickelt, um jedem den Einstieg und den Umgang mit modernen Technologien zu ermöglichen.

Der Banana Pi kann als normaler Desktop-Computer genutzt werden. Beliebt ist aber auch die Installation eines Servers, wie zum Beispiel ein Webserver, ein NAS-Fileserver, ein Mail-Server, ein Voice over IP Server und vieles mehr. Dabei kann der Banana Pi über Ethernet oder auch wireless in euer Heimnetzwerk eingebunden werden.

Der Mini-Computer kann problemlos HD-Videos abspielen und wird in Verbindung dessen oft auch als Media-Center eingesetzt. Im Vergleich zu teuren handelsüblichen Media-Stationen ist eine Lösung mit dem Banana Pi sehr schonend für den Geldbeutel. Außerdem kommt der Spaß- und Bildungsfaktor hinzu.

Der Banana Pi verfügt über eine Soundschnittstelle (Klinke 3,5 mm), sodass die Wiedergabe von Audiodateien möglich ist. Wem das noch nicht reicht, der kann auch seinen lieblings Internetradio-Sender mit dem Pi abrufen und wiedergeben. genauso ist das Erstellen eines eigenen Media-Streams möglich.

Neben einer Vielzahl von Spielen kann die Software Scratch den Einstieg in die elektronische Welt vereinfachen. Scratch ist eine vom MIT bereitgestellte Umgebung, mit der man Programme, Spiele und Animationen ganz simpel erstellen kann. Unter dem Betriebssystem Raspbian ist Scratch standardmäßig installiert.

Die genannten Funktionen sind natürlich nur ein kleiner Teil von dem was noch alles mit dem Einplatinencomputer möglich ist.
Durch die vorhandenen Schnittstellen, z.B. die GPIO-Pins kännen Sensoren, LEDs und weitere Elektronik beschalten werden. Mit Hilfe von nur wenig Quellcode und den bereitgestellten Treibern können die Pins angesteuert werden.

Raspberry Pi Gehäuse inkompatibel

Die Platine des Banana Pi ist mit den Maßen 92 mm × 60mm etwas größer als der Raspberry Pi. Außerdem verfügt dieser über mehr Schnittstellen, wie zum Beispiel dem SATA-Anschluss. Folglich sind die meisten im Handel erhältlichen Gehäuse des Raspberry Pi inkompatibel mit dem Banana Pi. Unter Umständen kann es wenige Ausnahmen geben, jedoch ist mir an dieser Stelle keine bekannt.

Unterstützte Betriebssysteme

Nach Angaben von der Lemaker.org unterstützt der Banana Pi die Betriebssysteme Debian, Ubuntu Android und Android 4.4.

Raspberry Pi SD-Karte inkompatibel

Wer bereits im Besitz eines Raspberry Pis ist und zum Beispiel Raspbian installiert hat, wird sich bestimmt schon überlegt haben die SD-Karte einfach in den Banana Pi zu stecken und loszulegen. Denjenigen muss ich an dieser Stelle enttäuschen, dies funktioniert nicht. Da tut sich nix, der Bildschirm bleibt dunkel und es findet kein gewohnter Bootvorgang statt.

Für die Installation eines Betriebssystems auf dem Banana Pi ist ein speziell angepasstes Image notwendig. Das entsprechende Image kann unter http://www.lemaker.org heruntergeladen werden. Wie man dies und andere Betriebssysteme installiert werde ich die Tage in einem weiteren Beitrag erlären.

Pin-Header des Banana Pi

Viele Erweiterungen können über die GPIO-Pins mit dem Banana Pi verbunden werden. Der Pin-Header soll nach mehrfachen Vermutungen in Internet kompatibel mit dem des Raspberry Pi sein. Ich denke das dies zutrifft, jedoch werden die entsprechenden Softwaremodule wie zum Beispiel wiringPi oder RPi.GPIO noch nicht unterstützt laut Raspi.TV.

Shields und Zusatzplatinen kompatibel?

Da der Pin-Header genauso wie der des Raspberry Pi sein soll, können aus dieser Sicht Shields und andere Zusatzplatinen mit dem Banana Pi verwendet werden. Jedoch ist die Platine des Banana Pi mit den Maßen 92 mm × 60mm etwas größer als der britische Pi. Besonders auffallend ist die anders positionierte Ethernet-Buchse.

Im Detail bedeutet das, dass viele zusätzliche Platinen auf Grund der anderen Platinenmaße nicht optimal auf den Banana Pi aufgesteckt werden können. Dies sollte unbedingt vorher geprüft werden. Abhilfe schaffen kann man sich mit einer verlängerten Buchsenleiste. Dadurch steigt der Abstand zwischen Banana Pi und Shield / Zusatzplatine und die bisher ungüstigen Platinenmaße spielen keine Rolle mehr.

Zusammenfassung

Der Banana Pi bringt gegenüber dem Raspberry Pi in Sachen Schnittstellen und Leistung einiges mehr mit. Jedoch exisitieren noch einige Schwachstellen bzw. sind einige Aspekte noch nicht ausgereift:

  • Gehäuse von Raspberry Pi inkompatibel
  • eine SD-Karte kann nicht im Banana Pi und Raspberry Pi gleichzeitig verwendet werden
  • Software für wiringPi / RPi.GPIO noch nicht unterstützt
  • Shields und Zusatzplatinen vom Raspberry Pi gegebenfall mechanisch inkompatibel

Für die Bastler unter euch die vorwiegend mit Phython oder C/C++ die GPIO-Pins ansteuern, schalten und auswerten ist nach wie vor der Raspberry Pi die erste Wahl.

Insgesamt steckt in dem Banana Pi eine Menge Potential, welches mit der Zeit noch ausgeschöpft werden kann. Da der Mini-Computer open-source ist folgen mit der Zeit bestimmt die notwendigen Erweiterungen.

Ich werde versuchen den aktuellen Stand im Auge zu behalten und euch hier über Neuerungen informieren. Genauso gerne hoffe ich auf euer Feedback, eure Informationen und möchte in den Kommentaren zur Diskussion anregen.

Quellen: raspi.tv, pi3g.com